20.02.2017

Inmitten der Gesellschaft leben

Der Mensch und nicht die Institution soll im Mittelpunkt stehen. Mit dieser Idee hat der Wernberger Arzt Dr. Fritz Loew 1968 den Grundstein für die mittlerweile 112 Häuser mit 1800 Plätzen für geistig und körperlich Behinderte in ganz Bayern gelegt. Nun soll eine weitere Wohn- und Lebensform in der Region ausgebaut werden.
Die Einrichtungen der "Dr. Loew Soziale Dienstleistungen" sind in die Gesellschaft integriert und bei vielen Festen und Feiern sind die Behinderten gerne gesehene Gäste. Viele von ihnen leben schon seit Jahrzehnten in den Einrichtungen wie Tannenschleife, Fuchsenschleife, im Heim Niedermurach oder Schönsee und haben auch viele Freunde unter den Nichtbehinderten, die sie voller Freude bei jedem Wiedersehen begrüßen.

Nun soll eine weitere Wohn- und Lebensvariante für Menschen mit leichten geistigen und körperlichen Behinderungen, das "ambulante Betreute Wohnen" weiter ausgebaut und bekannter gemacht werden. Dazu fand eine Informationsveranstaltung im "El Camino" statt.

Die Leiterin dieses ambulanten Betreuten Wohnens, Gritt Höhne aus Wernberg, und die Leiterin der "Tannenschleife" und Niedermurach, Irena Jung, erläuterten zunächst das Grundkonzept der "Dr. Loew Sozialen Dienstleistungen". Dieses stelle den Menschen in den Mittelpunkt und lasse ihn an seine Bedürfnisse und an sein Können angepasst leben. Dabei sollen noch vorhandenen Leistungsmöglichkeiten im geistigen und körperlichen Bereich permanent gefördert werden.

Nicht im Abseits stehen

Ein weiteres Ziel von Dr. Loew war es bei Unternehmensgründung, die Behinderten nicht im Abseits stehen zu lassen, sondern sie in das ganz normale Leben innerhalb der Gemeinden zu integrieren. Ihrem Leben und ihrem Tagesablauf solle - wenn möglich - durch Arbeit eine Struktur gegeben werden und damit das Gefühl, dass sie trotz ihrer Behinderung vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sind.


Im ambulanten Betreuten Wohnen erhalten sie Unterstützung bei der Verwirklichung ihres gewünschten Lebensablaufes. Bei der Informationsveranstaltung war der kleinwüchsige, aber sehr selbstbewusst auftretende Oliver Hopp anwesend. Er schilderte, dass er zusammen mit drei anderen Behinderten lebt, wobei jeder von ihnen seinen eigenen "Lebens- und Rückzugsbereich" hat, sie aber den Küchen- und Wohnbereich gemeinsam in einer festgelegten Arbeitseinteilung nutzen. Daneben geht Hopp einer beruflichen Tätigkeit im Musik-Cafe in Wernberg nach, dem ein Fortbildungszentrum mit behindertengerechten Arbeitsplätzen angegliedert ist und in dem leicht geistig behinderte Menschen im Service, in der Küche und im hauswirtschaftlichen Bereich Arbeit finden. Dort fühlt sich Oliver Hopp schon seit über 20 Jahren wohl und ist dankbar dafür, dass er ein Leben nach seinen Vorstellungen führen kann und ihm trotzdem bei Bedarf die nötige Unterstützung zuteil wird.

Aus jahrzehntelanger Erfahrung in Führungspositionen heraus waren sich Gritt Höhne und Irena Jung in ihren Ausführungen einig, dass es nichts Schöneres gibt, als Menschen mit Behinderung ein eigenes Zuhause zu geben, in dem sie sich wohl und daheim fühlen können. Ihr Beruf sei für sie deshalb auch eine Berufung - zwar oft fordernd, aber auch mit einem guten Gefühl nach einem erfüllten Tag.

Diese neue Wohnform muss nicht in Heimen geführt werden, sondern könne auch in privaten kleinen Wohneinheiten stattfinden. Dafür würden sich auch sanierte Wohnungen oder Gebäude anbieten, was als eine Chance für Kommunen oder Wohnbaugesellschaften gesehen werden kann, da damit leerstehende Häuser wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden könnten.

Auch für Senioren

Schon jetzt, so führte Gritt Höhen aus, leiste der Bezirk Oberpfalz eine wert- und sinnvolle Unterstützung durch seine Fördermaßnahmen. Der bei dieser Informationsveranstaltung ebenfalls anwesende Seniorenbeauftragte der Stadt, Reinhold Malzer, sieht diese Entwicklung ebenfalls positiv. Denn oft würden sich die Hilfsbedürftigkeit und die Belange Behinderter mit denen älterer Menschen überschneiden, die dann bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden können. Die "Dr. Loew Sozialen Einrichtungen" in Wernberg sind gerne zu weiteren Auskünften bereit.

 

Quelle: Der neue Tag, 20.02.2017


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