02.06.2018

Zweifache Mutter auf dem Weg zur Heilerziehungspflegerin

"Geh‘ in den sozialen Bereich" – diesen Rat hat Christine Haas (41) mehr als einmal gehört, als vor gut 25 Jahren ihre Berufswahl zur Debatte stand. Die Ratschläge blieben damals wirkungslos. Die Jugendliche entschied sich für eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Jetzt aber, nach der Familienphase, ist sie reif für die Pflege-Branche mit ihrem enormen Personalnotstand. Seit einem Jahr ist die Mutter eines 18-jährigen Sohnes und einer 20-jährigen Tochter wieder "Lehrling".

Am Beruflichen Förderzentrum (BFZ) in Passau lässt sie sich zur Staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin ausbilden. Sie weiß, was in diesem Beruf auf sie zukommt. Seit acht Jahren ist die Rinchnacherin als Hilfskraft bei der Dr. Loew Soziale Dienstleistungen in der Einrichtung Rabenstein beschäftigt. Christine Haas ist zwar mit Herzblut bei der Sache - aber sie ist keine Fachkraft. Lange hat sie mit sich gerungen, dem Wunsch ihres Chefs nachzukommen, sich zu perfektionieren und eine Ausbildung zu machen. Vor gut einem Jahr hat sie sich getraut, mit 40 Jahren noch einmal zum Lehrling zu werden.

Die Hälfte der Vollzeitausbildung zur Heilerziehungspflegerin hat sie fast geschafft. 23 Wochen Blockschule in Passau und 16 Wochen Praktikum stehen in diesem Schuljahr auf ihrem Stundenplan. Das Pensum ist anspruchsvoll: Schwerpunkte sind Psychologie und Psychiatrie, aber auch in Medizin, Heilpädagogik, Pflege, Recht und Verwaltung gibt es eine Menge zu lernen. Täglich zwei Stunden Fahrzeit nach Passau und zurück, Unterricht bis 16 Uhr, Haushalt, Garten und Familie – das alles ist kein Spaziergang. "Man derf’s ned unterschatzn, aber es is zum Schaffen", will Christine Haas Mut zur beruflichen Qualifizierung in der Pflege machen.

Ihre Mitschüler, darunter sechs Männer, sind zwischen 18 und 48 Jahre alt. Christine Haas gehört also zu den "Oldies" in der Klasse – und zu den Besten. Mit 26 Schülern hatte das Schuljahr begonnen, sechs sind mittlerweile abgesprungen.

 

Quelle: Passauer Neue Presse, 02.06.2018


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